„Ich war cool auf der Bühne, oder?" Erfahrungen mit Workshops für UMFs

Bärbel Preuss, Leiterin Wohnhaus für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge


„Das hat voll Spaß gemacht und ich war cool auf der Bühne, oder?“ sagt Azis.

Und auch, dass das gut für sein Vorstellungsgespräch kommende Woche sei.



Muss ich mehr sagen?

Die Idee zu dieser Kooperation hat mich gleich überzeugt und neugierig gemacht. Dass Themen der jungen Geflüchteten direkt auf der Bühne bearbeitet werden können, dass man auch an schambesetzte Themen kommen kann, dass es dazu viel zu lachen geben kann beim Gehen neuer Wege – all das klang gut und logisch – WIE GUT - das hätte ich zunächst nicht erwartet.


Bisher habe ich 3 Workshops miterlebt und damit auch die Veränderungen, die manche Teilnehmer machten. Auch wenn die Motivation teilzunehmen zunächst immer sehr gering war und es wirklich Überredungskünste unsererseits bedarf: erst mal im Heppel und Ettlich angekommen und der Zauber wirkt!

Eine Bühne, noch leicht im Dunklen, ein Tischchen mit Frühstücksbrezn, zwei zugewandte Trainer*innen, knisternde Spannung und Nervosität geben die richtige Mischung um mit dem Aufwärmen anzufangen.

„Alle auf die Bühne“, rufen Ercan und Silvia, und da stehen sie dann, „unsere“ Jungs und bewegen sich bald locker und immer lockerer zu gedachten Bildern und Szenen. Und lachen über sich selbst und die neuen Herausforderungen, werden sicherer und da mischt sich noch etwas anderes in die Mimik: vorsichtiger Stolz.

Und sie merken, dass es viel um Sprache geht, ohne schulisch streng zu sein. Hier werden Wörter geworfen und zurückgeschleudert, mal schnell, mal zögerlich. Hier malen Bewegungen Wörter und Sätze, hier spricht auch mal eine neu erfundene Sprache und grinsend entsteht Kommunikation.

Und dann erstarrt das Bild. „Freeze!“

Szenenwechsel, Rollenwechsel und weiter geht es.


Und was dann am Sonntag, dem 2. Tag des Workshops vor Publikum gezeigt wird ist eine echte Vorstellung, mit Lampenfieber beim Warten hinter dem Vorhang, mit Aufregung und Stolz und mit viel Kontakt zum Publikum, das einige Themen und Szenen vorgeben darf.

Echtes Impro Theater eben.


Dieses Angebot unterscheidet sich durchaus ein wenig von den sonst von uns organisierten pädagogsichen Aktionen. Dieses Präsentieren auf der Bühne, das fühlt sich wichtig an und richtig und kein bisschen defizitär. Da gibt es etwas zu lernen und Themen selbstbewusst zu bearbeiten, ohne dass es nach Schule oder Sozialpädagogik müffelt.


Alles in allem: in meinen Augen ein niederschwelliges pädagogisches Angebot, das neben Spaß und Ablenkung vom Alltag und sinnvoller Freizeitgestaltung auch eines vermittelt: das Gefühl, mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen und Zutrauen in sich zu spüren.

Und das ist doch eigentlich viel, oder?

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